Pflanze und Tier in der Grünenwand - Mehr Natur gefällig?

Moose auf der Pflanzenwand

Ich werde oft gefragt, ob und wie Moose in der Pflanzenwand gezüchtet werden können. In diesem Bericht werde ich mich ganz den Moosen verschreiben. Moose sind nicht nur dekorativ und sehr vielseitig, sondern sie sind auch sehr gut für die anderen Pflanzen in der Wand und für das Klima. Ausserdem sind sie einer der effektivste Luftfilter gegen Treibhausgase und Feinstaub.

Was sind Moose?

Moose sind grüne Landpflanzen die in der Regel kein Stütz- und Leitgewebe ausbilden. Sie gehören zu den blütenlosen Sporenpflanzen, die sich durch einen Generationswechsel fortpflanzen. Moose besitzen keine Wurzeln, sondern Zellfäden (Rhizoide) und werden deshalb nur wenige Zentimeter hoch. Das merkt man schnell wenn man mit Moosen arbeitet. In Gegensatz zu den anderen Pflanzen haben sie keinen Wurzelballen und sie sind auch nicht als eine Pflanze zu verstehen, sondern als Pflanzenteppich dessen einzele „Fasern“ sich eigenständig versorgen können und nicht unbedingt auf das grosse Ganze angewiesen sind.

Moose sind grundsätzlich immergrüne Pflanzen.

Laubmoos

Vorteile von Moos

  • Als unterste Bodenschicht spielen Moose eine wichtige Bedeutung im Ökosystem.  Als Lebensraum, Versteck oder Nahrungsquelle sind Moose unverzichtbar für eine ausgewogene Biodiversität im Garten.

 

  • Viele Moosarten sind zudem von Bedeutung bei der Speicherung und langsamen Abgabe von Wasser.

 

  • Moose können das Zigfache von ihrem Gewicht an Nebel-Nässe und Regenwasser speichern.

 

  • Ohne die hohe Saugfähigkeit von Moos fliesst das Oberflächen-Wasser schneller ab, anstatt langsam runter zu sickern. Schützt vor Austrocknung der Wandoberfläche im Sommer.

 

  • Produzieren sehr viel Sauerstoff und binden sehr gut Feinstaub. Ausserdem haben sie einen fast doppelt so starken Kühleffekt auf die Umgebung als herkömmliche Pflanzen.

 

  • Schützt vor Auswaschung betrifft vor allem Pflanzenwand Systeme mit festen Behältern.

 

  • Viele Moosarten sind in der Lage, Nährstoffe aus dem Niederschlag zu filtern und ihrer Umgebung zur Verfügung zu stellen. Eine Art natürlicher Dünger.

Moos Arten

Weltweit werden in der Bryologie, der Wissenschaft von den Moosen, ca. 16.000 verschiedene Moos-Arten unterschieden, wobei in Europa etwas über 1.100 vorkommen.

Grob gesagt kann man Moose nach Wuchsform und Aufbau, in drei klassischen Sippen unterteilen:

  • Hornmoose –  meist halm-ähnliche Optik, nicht winterhart, höchstens für Innenräume geeignet
  • Lebermoose – meist flechten-ähnliche Optik oder wie kleiner Halm mit Blättern. Kurzlebig.
  • Laubmoose – besteht aus dünnen, vielzelligen Fäden in verschiedenster Form. Am weitesten verbreitetes Moos.

Es gibt allerdings grundsätzlich zwei Arten von Moos die sich optisch gut unterscheiden: pleurokarpe und akrokarpe Moose. Der pleurokarpe Typ wächst meist niederliegend und breitet sich schnell horizontal aus. Der akrokarpe Typ wächst meist in Büscheln und wächst zunächst in die Höhe/Breite, bevor er sich ausbreitet.

Einige Moosarten blühen, während andere ausschließlich grün sind.

Wie bringe ich das Moos an die Wand?

Moos kann man nicht einfach kaufen und in die Wand pflanzen. Es geht eher darum Moos auf der Wand zu züchten. Ich habe schon vieles versucht und werde hier eine kleine Auflistung der Methoden und Ihrer Erfolgschancen machen:

Plattenmoos auf der Pflanzenwand befestigen

Ich habe das Plattenmoos mit Nadeln und etwas Harz an der Wand befestigt. Der Erfolg war überblickbar. Gerade mal 1/20 der Moose ist in 2 Jahren an der Wand festgewachsen. Der Rest ist abgestorben und musste entfernt werden. Mit frischem Moos aus dem Wald sind die Erfolgschancen am besten.

Das Grundproblem ist aber, dass das Moos nicht ganz flächig befestigt werden kann, sondern nnur punktiert. So ist nicht gewährleistet werden kann, dass die ganze Fläche Berührung mit der Wand hat.

Fazit: Sieht zwar Anfangs gut aus aber ganz geringe Erfolgschancen. Das Harz hat Flecken hinterlassen.

Aufwand: gross

Erfolgschancen: < 5%

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Wand mit Plattenmoos

Plattenmoos Schaden (gelbe Bereiche sind kaputt)

Kleinen Moosstücken auf der Wand verteilen

Die Idee dahinter ist, dass sich das Moos von dem kleinen Mossfleck aus verbreitet. Ich habe die Moos-Stücke mit Nadeln auf der Wand befestigt.

Einige haben auch tatsächlich mit dem Wachstum begonnen. Aber leider nur jedes 10. zeigt ein Wachstum. Die Ausbreitung hat lange gedauert. Während dieser Zeit war das Moos-Bild nicht homogen, also fleckig.

Diese Art der Mooszüchtung empfehle ich, falls man ein wunderschönes Moos findet und es in die Pflanzenwand einbauen will. Vor allem, wenn es nachträglich auf einen bereits bestehenden Moosteppich anbringt. Das funktioniert fast immer, da die Bedingungen für Moos ideal sind.

Fazit: Kann funktionieren. Dauert aber lange bis sich ein wirklicher „Teppich“ bildet. Eignet sich vor allem wenn einzelne Moos-Büschel als Eye-Catcher nur vereinzelt in der Wand platziert werden.

Aufwand: Gross

Zeit: mindestens 2-3 Jahre

Erfolgschance ca. 10%

Moos-Milchshake

Der Moos-Milchshake  ist eine Art Paste die man auf Oberflächen auftragen kann um Moos wachsen zu lassen. Das Internet ist voller Rezepte dafür. Das Grundrezept ist immer das selbe.

Rezept:

  • grosses Stück Moos
  • zwei Tassen Buttermilch oder Jogurt
  • zwei Tassen Wasser.
  • Mixe die Mischung in einem alten Mixer, bis sie die Konsistenz eines traditionellen Milchshakes hat.

Ich habe das einige Male probiert. Mit lebendigem und totem Moos. Leider muss ich zugeben, dass es nicht einmal geklappt hat. Dafür hat eine Wand angefangen zu stinken. Aber von Moos keine Spur. Deshalb rate ich auch von dieser Methode ab.

Fazit: Hat bei mir nie funktioniert. Hat aber meine Pflanzenwand kaputt gemacht. Ich rate davon ab.

Aufwand: Gross

Erfolgschancen: 0% (bei mir)

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Moos-Milchshake

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Fertiger Moos-Milcshake aus dem Handel

Wasser impfen

Eine weitere Methode ist das Impfen des Wassers mit Sporen. Dafür mixt man tote Moose ganz fein und gibt sie einfach ins Giesswasser. Am besten mit dem Dünger zusammen.  Aber Achtung: die Moose dürfen die Pumpe nicht verstopfen, deshalb fein mixen.

Nach ein paar Monaten bildet sich dann ganz flächig eine Mooswand. Es braucht m Innenraum ca. 1 Jahr und im Aussenraum ca. 2 Jahre bis diese deckend ist, aber von Anfang an hat man ein gleichmässiges Wachstum.

Diese Methode funktioniert gut und eignet sich vor allem für Innenbereiche. Da im Innenbereich, wo es meist keine oder nur wenige Moossporen gibt. D.h. Da wo auf natürlichem Weg kein Moos wachsen würde.

Fazit: Diese Methode funktioniert und ist vor allem dann zu empfehlen, wenn das Moos auf natürlichen Weg nicht dahin findet oder man bestimmte Moossorten an der Wand haben will.

Aufwand: Mittel

Zeit: ca. 1-2 Jahre

Erfolgschancen: ca. 90 %

Natürliches Wachstum

Die beste Metode ist natürliches Wachstum. Das ist nichts weiter als die Geduld ein braches Stück der Pflanzenwand überwachsen zu lassen. Unter den richtigen Bedingungen kann eine Wand in 2 Jahren flächendeckend vermoost sein.

Ja nach dem wie die Bedingungen sind kann Moos über die ganze Fläche verteilt wachsen oder sich von gebildeten Moosbereichen ausbreiten. Diese Bereiche befinden sich meist in unteren Drittel der Pflanzenwand.

Die Bedingungen für Moose sind:

  • feuchter Untergrund- zuverlässige Bewässerung
  • viel Licht
  • gut gedüngtes Wasser
  • Die Pflanzen rund um das Moos sind bereits gepflanzt.
  • Im Innenraum hohe Luftfeuchtigkeit

Fazit: Die Metode funktioniert bei mir einwandfrei und gibt den schönsten Moostepisch, da sich verschiedene Moosarten ansiedeln. Natürliches Wachstum hat bei mir sowohl im Innenraum als auch im Aussenraum funktioniert. Wobei im Innenraum eine hohe Luftfeuchtigket herschen muss (>60% Luftfeuchtigkeit).

Zeitaufwand: Minimal

Zeit: ca. 2 Jahre

Erfolgschancen: 95 %

Anleitung um Moos aus der Pflanzenwand zu züchten

Die Anleitung bezieht sich auf das natürliche Wachstum und setzt auf die Moos-Sporen die überall in unserer Umwelt zu finden sind. Diese werden entweder von den anderen Pflanzen und deren Erde in den vertikalen Garten gebracht, oder sie kommen über die Luft und setzten sich auf die Oberfläche der Wand.

Schritt 1: Bestimmen wo das Moos hin soll

wand moos

Beim Züchten von Moos muss erst mal eine Fläche bestimmt werden bei der ideale Bedingungen für Moos herrschen sollen. Am besten setzt man diesen Bereich eher in der Mitte und unten an (siehe Bild links).Das liegt in erster Linie daran, dass sich an diesen Stellen das meiste Wasser sammelt. Ganz oben ist  es meist zu trocken und es hat zu wenig Schatten um Moos zu züchten. Vor allem, wenn die Wand nicht vollständig im Schatten steht.

Am besten bepflanzt man die oberste Reihe mit Pflanzen die nach unten viel Schattenspenden und ein dichtes Laubwerk haben. Das Laubwerk spendet Luftfeuchtigkeit die der Pflanzenwand entlang nach unten strömt. Auch am Rand sollten gute Schattenspender stehen um das Moos vor seitlich einfallenden Sonnenstrahlen zu schützen.

Ganz unten ist der beste Platz um mit Moos zu rechnen. Das ist nicht nur vom Untergrund her sehr feucht sondern auch die Luftfeuchtigkeit ist da am höchsten. Dazu ist es meist der schattigste Platz an der Wand.

Sobald Moos irgendwo ansetzt, verbreitet es sich automatisch über die Wand, sofern die Bedingungen stimmen.

Schritt2: Ideale Bedingungen schaffen

  • oben: Moos hinter Feigenbäumchen
  • unten: Moos unter hängendem Sedum

Wie schafft man die Idealen Bedingungen im Aussenbereich?

Moose lieben Schatten. Deshalb ist eine schattige Wand besser geeignet als eine der Sonne zugewandte. Bei sonnigen Wänden gibt es aber einen sehr guten und simplen Trick:

Rund um den Moosbereich werden Sträucher gepflanzt, die im Winter ihre Blätter verlieren oder Pflanzen die sich im Winter zurückziehen. Das schafft ideale Bedingungen für Moos. Im Frühling wenn die Sonne noch schwach ist, puscht sie das Wachstum von Moos und das Wetter ist noch nicht so warm, dass die Oberfläche der Wand trocknet. Im Sommer hingegen ist das Moos vom Blattwerk der anderen Pflanzen geschützt und kann sich weiter ausbreiten.

Oben an der Wand sollten Pflanzen mit starkem Blattwerk gesetzt werden, da diese eine gute Luftfeuchtigkeit erzeugen und damit die unten wachsenden Moose versorgt. Hängepflanzen eignen sich auch da sie unter sich ein gesund, feuchtes Milieu erhalten.

  • oben: Wände mit Brach-Bereich für Moos mit Tageslichtlampen
  • unten: Brachstelle mit Moos

(Die Bilder sind 6 Monate nach Bepflanzung aufgenommen)

Ideale Bedingungen für Moose im Innenraum

In Innenraum hat Moos immer die selben Bedingungen, da weder Herbst, noch Winter existiert. Aus diesem Grund kann auch auf exotische Hornmoose zurückgegriffen werden.

Die wichtigste Bedingung ist die Luftfeuchtigkeit. Die sollte in dem Raum in dem die Pflanzenwand steht, über 60% liegen, unmittelbar vor der Wand bei 70%. Ausserdem darf kein starker Luftzug von Lüftungen die Wand beeinträchtigen sonst trocknet die Wandoberfläche aus.

Die Stelle an der das Moos wachsen soll, muss brach liegen d.h. sie ist völlig unbepflanzt. Ausserdem sollte die Stelle mit kaltem Tageslicht bestrahlt werden. Das fördert das Wachstum allgemein.

Zu dem muss die Wand regelmässig gedüngt werden.

Sind diese Kriterien erfüllt, wächst Moos von alleine, ohne ein „aussähen“ oder irgend einen Aufwand.

Schritt 3: Geduld

Mooswand nach 3 Monaten (ohne Zutun mit idealen Bedingungen)

Mooswand nach 6 Monaten (ohne Zutun mit idealen Bedingungen)

Wenn die Pflanzenwand läuft und ideale Bedingungen geschaffen wurden, heisst es jetzt warten. Je nach Standort und anderen Umständen kann es bis zu einem Jahr dauern bis die ersten Anzeichen zu sehen sind. Im Normalfall sollte aber bereits nach 3-6 Monaten das erste Moos spriessen.

Was tun wenn kein Moos kommt

Falls nach einem Jahr noch kein Moos kommt, sollte als Erstes überprüfen ob die Oberfläche der Pflanzenwand gut feucht ist. Wenn sie zu trocken ist, mehr Bewässerungsintervalle ansetzen. Ist die Wand feucht und auch die oben genannten Bedingungen stimmen, empfehle ich eine Wasserimpfung. Die empfehle ich auch, wenn man bestimmte Moos-Sorten an der Wand haben will.

Vielfalt der Moose

Das ist eine Pflanzenwand die wahrscheinlich dank dem Wind verschiedene Moosarten auf sich vereint. Es handelt sich um eine Aussenwand.

Viel Spass beim züchten eurer eigenen Mooswand.